Einbindung ziviler Wasserfahrzeugführer in die Wasserrettung

Zusammenfassung:

Angesichts der hohen Verfügbarkeit von zivilen Wasserfahrzeugführern auf Bundeswasserstraßen wie dem Rhein wäre es grundsätzlich zu überlegen, ob man diese nicht bei Eingang eines entsprechenden Notrufes mitalarmieren sollte.

Durch die meist lange Anfahrt der Rettungskräfte gehen oft wertvolle Minuten verloren, welche bei Wassereinsätzen mit vermissten Personen über Leben und Tod entscheiden können.

Der Vorschlag von vielen Wasserfahrzeugführern wäre, dass man nach Eingang des Notrufs direkt über bspw. eine SMS aktive Wassersportler mit Gewässerkilometerangabe benachrichtigt, sodass diese dann innerhalb von kürzester Zeit erste Hilfsmaßnahmen durchführen könnten.

Beispiel:

Am 21. Juni 2020 ging ein Familienvater mit seinem 19-jährigen Sohn ca. 100 Meter von der Fähre bei Gernsheim entfernt auf der rheinland-pfälzischen Seite des Rheins schwimmen. Dabei wurde dieser sehr wahrscheinlich durch den Sog eines vorbeifahrenden Berufsschiffes aus der Buhne gezogen und konnte sich nicht gegen die starke Strömung wehren.

Auch der letzte verzweifelte Versuch durch den 19-jährigen Sohn, den eigenen Vater mit Hilfe eines Spielballs zu retten, scheiterte.
Nach Ankunft der Rettungskräfte an der Nato-Rampe auf Höhe südlich von Gernsheim haben sich ca. 15 zivile Wassermotorräder und Boote bei der Suche mitbeteiligt. (Vergleiche Bericht der Allgemeinen Zeitung vom 21.06.2020 und eigene Beobachtung vor Ort)

Bei einer sofortigen Benachrichtigung wären mind. drei Wassermotorräder innerhalb von ca. zwei Minuten an der Unfallsstelle gewesen.
Diese haben sich in unmittelbarer Nähe nur ein paar hundert Meter flussaufwärts befunden und waren dabei zu jeder Zeit telefonisch erreichbar gewesen. Rettungskräfte wie Feuerwehr, DLRG und SEG/Katastrophenschutz brauchen erst eine gewisse Zeit für die Anfahrt auf der Straße, Slippen der Boote und dann die Anfahrt auf dem Wasser.

Weitere Anmerkungen:

  1. Die Benachrichtigung ziviler Wasserfahrzeugführer lediglich über Funk halten viele für nicht ausreichend, da dieser meist nur von sehr wenigen Booten überhaupt genutzt wird.
    Für die Nutzung des UKW-Funks ist ein spezielles UKW-Sprechfunkzeugnis und eine entsprechende Anlage auf dem Wasserfahrzeug von Nöten, wodurch, wie bereits erwähnt, ausschließlich größere Boote diesen Funk nutzen.
  2. Die meiste Zeit fahren vor allem Wassermotorradführer nicht aktiv auf den Gewässern, sondern befinden sich an den Stränden der jeweiligen Ufer und befestigen deswegen ihre Wasserfahrzeuge mit kleinen Ankern – bei einem Anruf würde schnell die Schwimmweste angezogen, der Karabiner des Ankers vom Wassermotorrad entfernt werden und man könnte sofort zu einer Unfallstelle eilen.

Disclaimer:

Diese Idee wird schon seit Jahren von vielen Boots- und Jetski-fahrern geäußert und ist bis jetzt immer an Themen wie Datenschutz, Einsatzgeheimnis und Versicherung gescheitert.

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